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Shelter Building


Rückkehr in ein neues Zuhause

Ashtar ist wieder zu Hause. Zurück in der Stadt, in der sie aufgewachsen ist und in der schon ihre Eltern lebten. Und doch ist alles neu! Im Frühsommer 2014 musste die Mutter von drei Kindern mit ihrem Mann vor dem Wahnsinn des Terrors fliehen. Die Schergen des IS rückten unaufhaltsam auf ihre Heimatstadt Al-Adhem vor. Ashtar erinnert sich gut an die angespannte Ruhe vor dem Sturm. Und da sich schlechte Nachrichten im Irak über die sozialen Netzwerke rasend schnell verbreiten, eilte den Angreifern ihr Ruf voraus. Zur Flucht gab es keine Alternative. Verwandte in einem sicheren Teil des Iraks rückten zusammen.

Als die Truppen des IS – den sie hier „Daish“ nennen, weil es richtig ausgesprochen „Fanatiker“ bedeutet – endlich zurückgedrängt wurden, war die Stadt zwar wieder frei, aber in großen Teilen auch zerstört und Ashtars Familie obdachlos. Dabei hatte die Familie noch Glück im Unglück, denn auch Ashtars Mann Haias konnte zurückkehren. Vater und Mutter haben in dieser Region längst nicht mehr alle Kinder an ihrer Seite. Jahre des Terrors, des Krieges und der Verschleppung haben in den Familien tiefe Wunden hinterlassen.

Die Familie stand buchstäblich vor den Trümmern ihres Lebens. Auch an Arbeit und damit Einkommen war nicht zu denken. Doch die Menschen wollten raus aus den Flüchtlingscamps und packten an: Unterstützt von UNHCR, RRI und lokalen Baufirmen entstanden in nur fünf Monaten feste Unterkünfte, sogenannte "Shelter Buildings" für über 1.000 Menschen. Diese Standardhäuser haben 40 Quadratmeter Wohnfläche und sind zudem ausbaufähig. Wenn Haias wieder eine dauerhafte Arbeit hat, kann er den Wohnraum eigenständig erweitern. Aus dem Shelter wird dann ein richtiges Haus. Möglich ist das auch, weil Haus und Grundstück ihnen gehören.

Für die Zukunft wünscht sich Ashtar zwei Dinge: Sicherheit und ein selbstbestimmtes Leben. Damit dies gelingt, wird das Hausbauprojekt von einkommenschaffenden Maßnahmen begleitet. Ashtar, die von ihrer Mutter die Leidenschaft für das Nähen geerbt hat, träumt von einer eigenen kleinen Werkstatt. Vielleicht tut sie sich dafür mit anderen Frauen des Ortes zusammen. Und im Vergleich zum eigenen Haus ist eine eigene Nähmaschine nur ein kleinerer Traum.